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Ziesar freut sich auf lila Blüten im Corona - Jahr

08. 04. 2020

Auch in schwierigen Zeiten blüht es lila in Ziesar. Die Schachbrettblumen zeigen bald ihre ganze Pracht. Heimatfreunde werden wieder die Blüten zählen.
Spaziergänge sind erlaubt – aber bitte mit Abstand. Ziesars Schachbrettblumenwiese gehört zu den schönsten Naturdenkmälern in Brandenburg. Ein Spaziergang entlang der Wiese ist nicht verboten. Klaus Schwanke gehört zum Team, das jedes Jahr die Blüten der unter Schutz stehenden Pflanzen zählt.
Es blüht lila auf Ziesars berühmtester Wiese. Die Aprilsonne erweckt das größte Vorkommen an Schachbrettblumen östlich der Elbe zum Leben. Seit vielen Jahren gehört der außergewöhnliche Bestand zu den schönsten Naturdenkmälern in Brandenburg. Im vergangenen Jahr registrierten Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins Ziesar rund 4300 der unter Naturschutz stehenden Liliengewächse. Schon seit 1981 wird über die Pflanzenart Statistik geführt, um zu ihrem Erhalt beizutragen.


Dem Erbe verpflichtet
Das außergewöhnlich große Vorkommen von Schachbrettblumen auf einer Wiese bei Ziesar wurde bereits in den 1950er-Jahren von Hans Sehm beschrieben. Mit Zählungen wird der Entwicklungsstand der geschützten Pflanzen seit 1981 dokumentiert. Vorreiter waren die Eheleute Fendt und Schmidt aus Ziesar. Der Kultur- und Heimatverein Ziesar ist aus der 1976 gegründeten Gruppe des Kulturbundes der DDR hervorgegangen. Die Vereinsgründung war 1991. Seit 15 Jahren betreiben die Heimatfreunde eine Dauerausstellung an der Burg Ziesar. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die jüngsten Sonderausstellungen, wie über das Landambulatorium und die Verkaufsstellen zu DDR-Zeiten.
Verpflichtet fühlt sich der Kultur- und Heimatverein auch dem künstlerischen Erbe des in Ziesar geborenen Malers Otto Altenkirch, dem auf der Burg eine eigene Ausstellung gewidmet ist. Weitere Bilder stehen mit Mitteln des Vereins, der Stadt und von Sponsoren vor der Restaurierung. Unterstützen werden die Heimatfreunde im kommenden August das 140. Gründungsfest der Feuerwehr.
Doch wer soll in diesem Corona-Jahr mit Kontaktverbot die vielen Schachbrettblumen zählen? „Es handelt sich um eine kleine und eingespielte Gruppe von etwa fünf Personen. Wir ziehen getrennt los. Und beim Zählen wird ausreichend Abstand zum Nachbarn gehalten“, berichtet Klaus Schwanke, der seit 1992 mit Ehefrau Jutta zum Zählteam gehört. Die Wiese ist etwa einen Hektar groß. Das bereits gemähte Grünland am östlichen Stadtrand wird mit Schnüren in zwei Meter breite Bahnen eingeteilt und abgelaufen. Dann wird das Ergebnis akribisch dokumentiert.
Es gab schon Rekordjahre, wie 1992, mit 7.500 Blüten. Wie viele
Schachbrettblumen in diesem Frühjahr ihre violette Pracht entfallen, wird sich schon in den nächsten Tagen zeigen. „Wegen des milden Winters fällt die Blüte früher aus. Wann genau wir uns zum Zählen treffen, wird tagaktuell entschieden“, berichtet Klaus Schwanke vom Kultur- und Heimatverein.

 

Ausflugsziel für Naturfreunde
In normalen Zeiten ist die Schachbrettblume ein Ausflugsziel für Naturfreunde. Gegen individuelle Spaziergänge zu zweit ist auch unter den aktuellen Ausgangsbeschränkungen nichts einzuwenden. Der Zugang ab dem Steinberger Weg ist ausgeschildert. „Doch eine organisierte Wanderung für die Öffentlichkeit oder angemeldete Führungen kann es in dieser Saison leider nicht geben“, bedauert Vereinsvorsitzende Silvia Zimmermann gegenüber der MAZ.
Sonst waren unter der stets größer werdenden Besucherschar sogar Magdeburger und Berliner. In diesem Jahr sollten Auswärtige auf eine Anreise gänzlich verzichten.
Nicht nur in freier Natur müssen die traditionsreichen Heimatfreunde auf öffentlichkeitswirksame Aktivitäten verzichten. Zunächst bis Ende April bleibt das Heimatmuseum an der Burg geschlossen. Im vergangenen Jahr wurden rund 650 Besucher in der vor 15 Jahren an diesem Standort eröffneten Dauerausstellung gezählt. Darunter immer mehr Fahrradgruppen und ehemalige Ziesaraner, die sich über die Präsentation der Stadtgeschichte begeistert zeigen. Wie zum Beispiel der Brasilianer Paulo Fernando Gross, der 2019 die Heimatstadt seiner 1887 in Ziesar geborenen Großmutter Friederike Marie Groß, geborene Hummel, besuchte. Wegen der Corona-Krise sind derzeit auch keine Stadtführungen möglich.
Bis wieder Fahrradgruppen auf der Burg Ziesar empfangen werden können, wird es wohl noch eine Weile dauern.


„Gerade jetzt, in einer Zeit ohne eigene Einnahmen, sind wir sehr dankbar, dass die Stadt die Betriebskosten für das Heimatmuseum trägt, so Vereinschefin Zimmermann. Am vergangenen Wochenende wäre für die rund 50 Mitglieder und ihre Gäste Saisoneröffnung bei Kaffee und Kuchen gewesen. Verzichtet hat der Verein auch auf den üblichen Frühjahrsputz im Museum sowie die Reinigung des Storchenturms. Derzeit ist noch unklar, was vielleicht im Frühsommer nachgeholt werden kann. Ein zentraler Termin steht allerdings immer noch fest im Kalender: am 24. Oktober gibt es auf der Burg Ziesar die kreisweite Auftaktveranstaltung für die Veranstaltung „Lange Nacht der Museen“. Denn sowohl das Heimatmuseum als auch das Museum in der Bischofsresidenz Burg Ziesar blicken 2020 auf ihr 15-jähriges Bestehen zurück.


Von Frank Bürstenbinder, MAZ, 7. April 2020

 

Wir wünschen allen Vereinsmitgliedern und Ziesaranern ein frohes und gesundes Osterfest.

 

Der Vorstand des Kultur- und Heimatverein
Ziesar

 

Foto: Die ersten Schachbrettblumen des Jahres 2020 in Ziesar blühen. Quelle: Silvia Zimmermann

 

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